„Aus euch wird eh nix!“ – Ein Ausspruch, ein Urteil, eine Drohung? Zumindest Worte die bleiben. Ausgesprochen von einer Person, die zu jener Zeit vieles vermissen ließ: menschliche Empathie, pädagogische Weitsichtigkeit und väterliches Vertrauen. Jedenfalls war es nie leicht mit uns. „Horrorklasse“, „Nervendiebe“, „Taugenichtse“. An Attributen und Stempeln hat es uns nie gemangelt.

Das gerade diese Ansammlung von „Faulpelzen“, „Renitenzen“ und „Kiffern“ zum Jubiläumsjahrgang aufs Podest gerufen wurden (als der 25. unserer Art), war für viele ein bittersüßer Scherz der Geschichte. „Wir sehen uns an der Aldi-Kasse“, bekam man noch hinterher gerufen. Das Zeugnis in der Hand. Dabei waren wir nur Menschen in einer der unruhigsten und kompliziertesten Phase des Lebens. Die Jugend. Zweigeteilt in unserer (Zweck-)Gemeinschaft. Also entscheide dich für eine Seite! Sympathie war ein kostbares Gut in den 90ern. Leistung auch.

Gemeinsam sind WIR mehr

Wenn wir uns heute treffen, wie zuletzt geschehen, dann sitzen wir alle an EINER Tafel. Die, die durchgekommen sind neben denen, die uns verlassen mussten. Alle mit einem breiten Lächeln im Gesicht. WIR, das sind heute Doktoren, Ärzte, Notare, Richter und Menschen, die sich um die jüngsten und die ältesten Mitglieder der Gesellschaft kümmern. Mit Herz, Verantwortung und höchster Sozialkompetenz. Außerdem gibt es mittlerweile 50 mehr von uns. Man kann uns vieles aufdrücken, aber sicher nicht, dass wir uns vor unserer Aufgabe innerhalb der Gesellschaft drücken.

In dieser Mitte zu stehen, fühlt sich warm an. Gelacht wird nicht über den Anderen, dafür umso lauter über sich selbst. Der „Kiffer“ lacht mit dem „Streber“, der „Freak“ mit der „Ballkönigin“. Und irgendwo läuft leise Smells like teen spirit. Bis zum letzten Whisky Sour. An einem Abend, an dem man spürt, dass alles richtig gelaufen ist. Und alles für etwas gut ist. Habt mal Vertrauen in eure Kinder!

„Du kriegst die Leute aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus den Leuten“ – Thees Ullmann

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