Mit 20 sitzt du in der Kneipe an einem großen Tisch. Mit all deinen Freunden teilst du wortreiche, meist inhaltsschwache Gespräche, deren Sätze und Meinungen kreuz und quer über das Mobiliar fliegen. 40-jährige sitzen in einer solchen Szenerie an der Theke. Der Körper unförmig, der Blick in die Ferne gerichtet. Verloren in einem Dialog mit dem einsamen Nebenmann. Wortarm, aber inhaltsreich, sinnierend über Dinge, die halb so alte Menschen nicht verstehen. Wortfetzen, wie „Kita-Platz“, „Betriebliche Altersvorsorge“ und „Vasektomie“ durchschneiden die Luft und verhallen doch, bevor sie die umliegenden Tische erreichen. Wenn du 20 bist, ist dir der Tresen eine kognitive Sperrzone. Im besten Fall empfindest du Mitleid, im schlimmsten Fall Abscheu. Voller Kraft, Energie und Naivität sonnst du dich in deinem Leben. In der Annahme, Tisch bleibt Tisch. Und Theke bleibt Theke. Die 20 sind lange her. Ich betrachte den „Tisch“ und empfinde Mitleid. Immerhin der beste Fall.S

Dalí oder wie ich es sah

Die letzten Tage fühlten sich an wie ein trockener, staubiger Mund, verbunden mit der Frage, ob trinken wirklich hilft? 20? Aufregend. 30? Kein Problem. 40? Absolut surreal. Als wenn Dalí in deinem Badezimmer steht und persönlich dein Spiegelbild malt. Eigentlich mag ich alles: das aufstrebende Grau im Haar, die Sonntagmorgen-Pein nach zwei nicht kompatiblen Getränken (was zur Hölle ist heute noch kompatibel?) oder die Selbstverständlichkeit des Siezens von einer stetig wachsenden Anzahl an Menschen. Es gehört dazu. Und es macht uns interessant. Warum habe ich dann ein verdammtes Problem damit? Es fällt mir im Traum nicht ein, an den „Tisch“ zurückzukehren. Und dennoch war ich die letzten Tage zum ersten Mal in meinem Leben unzufrieden. Vielleicht weil ich es nicht ändern kann. Dabei fühle ich mich klug. Und attraktiv. Und geborgen. Bestimmt. Ab heute kann ich es nicht mehr ändern. Und Dalí und ich setzen sich nun an den Tresen.


Die gesammelte Kolumne „Gedanken von textmarka“ findet ihr hier.

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