Gedanken von textmarka – Tanzen

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Tanzen. 8. Klasse. Wenn du, im Rahmen eines Disco Fox-Workshops, als letzter Tanzpartner gewählt wirst, ist das traurig. Oder Klischee. Oder beides. Jedenfalls fasste ich den Entschluss, begleitet von einer wummernden 4/4-Takt-Dauerschleife zu Culture Beats Mr. Vain, dass ich „so einem Paartanz-Bums“ ab sofort argwöhnisch gegenüberstehe. Lag bestimmt an meiner Körperklausigkeit, ausgelöst durch schnelles Wachstum und fremd sein im eigenen Körper. Anno 1993. Those were the days. Dabei habe ich mich seit dem ersten Durchdrücken meiner Knie und der neu erlernten Fähigkeit des aufrechten Gangs stets zur Musik bewegt. Immer in meiner eigenen Körper- und Selbstbeherrschung. Warum soll ich mir das nehmen lassen? Ist doch nicht mein Problem, dass jemand Schrittfolgen erfunden hat. Und ich keine Frauen über 1,85 Meter kenne. Also entsage ich dem Paartanz bis heute, stürze mich aber gerne todesmutig in jede Nebelmaschine, aus der ein leises „Pfffffff“ Schwaden auf den Dancefloor schiebt.

Tanzen? Alter!

Das ich Musik liebe und mich in irgendeiner, möglichst nicht selbstverletzenden, Art und Weise dazu bewegen muss, ist kein Geheimnis. Tanz ist für mich ein unglaublich starker, persönlicher Ausdruck, den ich für mich ungerne in feste Regeln presse. Das Kind hat dann viele Namen: „zappeln“, „abspacken“ oder „sich verlieren“. Von reigenhaften Vater-Kind-Tänzen im Kindergarten bis hin zur Blaue-Flecken-Zucht im Moshpit ist und war alles dabei. Selbstbild: Nurejew. Fremdbild: Alter! „Wie bestellt und nicht abgeholt auf der Tanzfläche stehen“ ist mir fremd. Ich feixe beim Gedanken an Menschen, die sich bei Betrachtung meinerseits die Frage stellen, „kann ich den berühren oder zerfällt er dann zu Staub?“ Großartig. Mein größter Feind? An Kontrollverlust und Überschätzung leidende Frauen um die 1,60 Meter. Siehst du nicht kommen. Für mich braucht es nur den einen Menschen, der im halbdunklen, schwadendurchzogenen Club ein Nicken zur Aufforderung verteilt. Den hat jeder. Tanzen ist Leben.


Die gesammelte Kolumne “Gedanken von textmarka” findet ihr hier.

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