Gedanken von textmarka – Luke

Oh, Luke Perry. Wo bist du hin? Und warum nimmst du uns nicht mit? An einen Ort, an dem Ausstrahlung und Charisma über Status dominieren. Oder, besser, direkt in eine andere Zeit. Eine Zeit, in der wir reden, statt zu texten. In der Kalifornien das Ziel und das Zurücklassen aller pubertären Probleme der äußerste Wunsch ist. Dylan McKay. Die Antigone von „sophisticated“. Die Farbe im schwarz-weiß von Beverly Hills. Das Vollkornbrot unter den schlecht getoasteten Milchbrötchen. Einzelgänger. James Dean der 90er. Ikone des Samstagsfernsehens. Nie war eine Rolle so bewundernswert. Grübeln als Lebenseinstellung. Alleinlebend. Surfen. Autos schrauben. Ein Lebensentwurf, wie gemalt für orientierungslose Teenager. Der „Archetyp der troubled Serien-Soul“. Nur selten ist ein Schauspieler mit einer seiner Rollen so verschmolzen wie Dylan … Nein, Luke.

Das Gegenteil von Wir

Wenn du 13 und ein typischer Teenager bist, dann hasst du Menschen. Erst einmal. Was kann also schlimmer sein, als eine TV-Serie über Cliquenverherrlichung, Sonnenbräune und Oberflächlichkeit? Beverly Hills 90210 hatte jeden Samstagmittag diesbezüglich eine gewisse Penetranz zu bieten. Und in diesem Zuckerguss aus allzu enger Freundesverbandelung stach Dylan/Luke wie eine dornige Rose heraus. Ein Smells like teen spirit zwischen klebrigem Eurodance-Brei. Brandon? Zu glasiert. Kelly? Zu perfekt. Donna? Zu doof. Die ungeteilte Sympathisierung mit Luke Perrys großer Rolle – ein Elfmeter ohne Torwart. Alles Negative des Serienplots entlud sich auf seinen Schultern. Liebeswirren, Kriminalität, Waffen, Suff, Drogen. Da verzeihen wir als Zuschauer auch gerne die tiefen Stirnfalten auf der Stirn der, zu Beginn, Rolle eines 16-jährigen. Immerhin war Luke Perry, aufgewachsen in Ohio, zu diesem Zeitpunkt acht Jahre älter.

„That’s me in the spot…light“

Hach, logische Details waren einfach egal. Der einzige Charakter mit Tiefe. Und Möglichkeit zur Entwicklung. Deswegen ist es meiner Generation ein Leichtes, wachgerüttelt nachts um Vier, seinen Namen fehlerfrei zu nennen. Irgendwo, genau jetzt, spielen R.E.M. Losing my religion. Dabei setzt Dylan Brenda mit dem Auto ab – und fährt davon. Farewell, Luke Perry.


Die gesammelte Kolumne “Gedanken von textmarka” findet ihr hier.

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